Evangelisch Lutherischer Glaube

Inhalt:

Die 10 Gebote

Unser Glaubensbekenntnis

Stufen des Lebens

Grund und Ausdruck des Glaubens


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  1. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir.
    Gott hat Dir das Leben geschenkt und bis auf diesen Tag erhalten.
    Liebst Du Ihn deshalb mehr als alles andere auf der Welt? Er schenkt Dir täglich 24 Stunden. Wie viel Zeit nimmst Du Dir für Ihn? Nimmst Du Ihn überhaupt ernst? Fürchtest Du Dich, gegen Seine Gebote zu handeln? Oder verachtest Du Ihn? Steht für Dich Dein Schicksal etwa in den Sternen? Liest Du etwa Horoskope oder trägst Du gar ein Sternzeichen? Besitzt Du ein Maskottchen? Hast Du an abergläubischen Handlungen teilgenommen (wie Wahrsagerei, Kartenlegen, Besprechen)? 
    Ist Er allein der Herr Deines Lebens? Hast Du zu Ihm das Vertrauen, dass Er sich um die großen, aber auch um die kleinen Dinge Deines Lebens kümmert? 

  2. Du sollst den Namen des Herrn, Deines Gottes, nicht unnütz gebrauchen, denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.
    Sein Name ist heilig. Du hast das große Vorrecht, ihn kennen und anrufen zu dürfen. Ist Dir klar, mit wem Du redest, wenn Du Seinen Namen in den Mund nimmst? Redest Du trotzdem von Ihm, wenn Du Ihn gar nicht meinst ("Ach Gott", “Ach Je(sus)").Fluchst Du ("Verdammt", "Verflucht!")? Ist Dir bewusst, dass Du beim Beten mit Ihm, dem allmächtigen Gott, redest? 0der schweifen Deine Gedanken dabei oft ab? Dankst Du Ihm für alles, was Er, Dein Gott, Dir, im Laufe eines Tages Gutes tut?

  3. Du sollst den Feiertag heiligen.
    Gott hat Dir den Sonntag geschenkt, damit Du Zeit hast für Dich, für andere - und für Ihn. Hörst Du an diesem Tag Sein Wort? Kann Er Dir dadurch helfen und Dich segnen? Oder hat Er dazu keine Möglichkeit, weil Dein Platz in der Kirche leer ist? Tust Du am Sonntag eine Arbeit, die Du ebenso gut an einem Werktag erledigen könntest?  Nützt Du diesen Tag auch zur Erholung oder geht er in Hektik, Stress und Trubel unter? Hältst Du Dich auch unter der Woche zu Seinem Wort und zu Seiner Gemeinde?

  4. Du sollst Deinen Vater und Deine Mutter ehren, auf dass dir 's wohl gehe und du lange lebest auf Erden.
    Er hat Dir durch deine Eltern das Leben geschenkt. Bist Du ihnen dafür dankbar, dass sie für Dich viel Zeit, Kraft und Geld geopfert haben? Bist Du ihnen gegenüber hilfsbereit, freundlich, verständnisvoll, nachsichtig? Hast Du über Deine Eltern schlecht geredet oder gedacht? Hast Du Deine Eltern, Lehrer oder Vorgesetzten bewusst ge-
    ärgert oder zugelassen, dass andere sie schikanierten? Bist Du überhaupt dankbar für alle Liebe und Zuwendung, die Du durch Menschen erfährst?

  5. Du sollst nicht töten.
    Gott möchte Dein Leben schützen; und jedes andere Leben auch. 
    Wie gehst Du mit Deiner Gesundheit um (Rauchen, Alkohol, Drogen, Tablettenmissbrauch usw.)? Wie verhältst Du Dich im Straßenverkehr? Verantwortungsbewusst, rücksichtsvoll oder tödlich leichtsinnig? Spielst Du mit Selbstmordgedanken? Hast Du Ehrfurcht vor dem Leben, das Er im Mutterleib entstehen lässt? Oder bist Du leichtfertig für die Abtreibung? Ist Dir Dein Nächster mit seinen Nöten und Problemen egal? Bist Du bereit, auf andere Rücksicht zu nehmen und ihnen, wenn es Dir möglich ist, zu helfen? Bist Du launisch, jähzornig, empfindlich, neidisch, schnell beleidigt? Kannst Du einen Menschen nicht leiden? Lebst Du mit jemandem im Streit? Hast Du Hass- oder Rachegedanken gegen jemanden? Kannst Du Unrecht immer verzeihen?

  6. Du sollst nicht ehebrechen.
    Auch Deine Sexualität ist eine gute Gabe von Ihm. Dieser ganz persönliche, intime Bereich braucht besonderen Schutz. Er darf deshalb von Dir erwarten, dass Du verantwortlich damit umgehst. Willst Du mit Deiner Sexualität einen Menschen glücklich machen? Oder suchst Du nur Deine eigene Befriedigung durch ihn bzw. durch sexuelle
    Bilder, Filme und Hefte? Gefallen Dir ordinäre Witze und Ausdrücke? Betest Du darum, dass Er, Dein Gott, Dir helfe, auf die eine rechte Frau, den einen rechten Mann warten zu können? Oder gebrauchst Du eine Freundin bzw. einen Freund nur, um Dich selbst zu bestätigen oder anderen zu imponieren?
    Speziell für Eheleute:
    Bist Du Deinem Ehegefährten treu - auch in Deinem Denken und Reden? Suchst Du in allem sein Wohlergehen, sein Glück, seine Entlastung? Hast Du ihn gekränkt oder vernachlässigt oder gar vor anderen Menschen schlecht gemacht? Kannst Du ihm immer neu und als Erster vergeben?

  7. Du sollst nicht stehlen.
    Gott hat Dir persönliches Eigentum zu Deiner Freude geschenkt. Hast Du Dich an fremdem Eigentum vergriffen? Geschäftsleute, Kollegen, Klassenkameraden oder die eigenen Eltern geschädigt? Hast Du das, wo es möglich war, wieder in Ordnung gebracht? Hast Du geliehene Sachen zurückgegeben? Opferst Du Zeit, Kraft, Geld für andere, die Dich brauchen? Oder behältst Du das, was Er, Dein Gott, Dir schenkte, egoistisch oder geizig nur für Dich?

  8. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider Deinen Nächsten.
    Du kannst Dich auf Sein Wort absolut verlassen. Er ist die Wahrheit - der Teufel ist der Vater der Lüge. Kann man sich auf das verlassen, was Du sagst? Bist Du ehrlich? Auch in der Schule (Spicken!)? Täuscht Du andere bewusst durch das, was Du sagst? Verbreitest Du Lügen? Erzählst Du Schlechtes über andere weiter? Machst Du Dich lustig und spottest Du über die Fehler und Schwächen anderer? Versuchst Du, wo es möglich ist, Gutes von einem Menschen zu reden statt den anderen lieblos zu beschimpfen und zu verurteilen? Stellst Du Dich hochmütig über andere, indem Du Dich für besser, braver oder frömmer hältst?

  9. Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Haus.
    siehe 10.Gebot.

  10. Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch Alles, was sein ist.
    Gott gefällt es, Dir Gutes zu tun. Bist Du mit dem zufrieden, was Er Dir gegeben, anvertraut oder ermöglicht hat? Meckerst Du an Vielem herum? Bist Du neidisch oder eifersüchtig? Gönnst Du einem anderen Erfolg, Besitz, Begabungen? Dankst Du Ihm täglich für das, was Du haben darfst? Für Gesundheit, Nahrung, Frieden und Freiheit, für Eltern, Ehegefährten, Kinder und Freunde, für Deinen Seelsorger und all die Menschen, die mit Dir glauben und für Dich beten?

"Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist Er treu und gerecht, daß Er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit"
1. Johannes 1. 9


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Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unserm Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. 
Amen.


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Taufe
Die Taufe: Wasser als Zeichen für Gottes Ja
Im Sakrament der Taufe verbindet sich Gottes Zusage mit dem Element Wasser. Deshalb wird Wasser über den Kopf des Täuflings gegossen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Jesus Christus selbst hat zu taufen aufgetragen. In der Taufe sagt Gott uneingeschränkt Ja zum Menschen. Ja, du bist meine Tochter, du bist mein Sohn; du bist Bruder oder Schwester Jesu Christi, ich werde bei dir bleiben bis ans Ende deines Lebens und darüber hinaus.
In einer Welt voller Unheil und Gefährdungen drückt die Taufe Gottes befreiendes und rettendes Handeln aus. Sie ist der Beginn eines neuen Lebens, das unter dem Zeichen der Liebe Gottes und seiner Vergebung geschieht. Den Getauften wird zugesagt: Ihr seid nicht mehr jedem Ungeist ausgeliefert. In euch wirkt Gottes heiliger Geist.

Konfirmation
Konfirmation heißt Bestärkung
An der Schwelle zum Erwachsenwerden erfahren junge Menschen Bestärkung. In der Taufe hat Gott zu ihnen Ja gesagt; jetzt kommt es auf ihr eigenes Ja an. Konfirmandinnen und Konfirmanden sollen mündig und selbständig werden, Gemeinschaft und Begleitung erleben, gesegnet und beschenkt werden, Annahme und Stärkung erfahren. Auf diesem Weg sind Freundinnen und Freunde notwendig, Menschen, die Vorbild sind und verständig begleiten.

Trauung
Beziehung auf Dauer
Es ist gut, wenn Menschen dauerhafte und feste Beziehungen miteinander eingehen wollen. Dem verbindlichen Miteinander von Mann und Frau in der Ehe gilt Gottes Verheißung. In der Kirche wurde und wird zu Beginn der Ehe ein Gottesdienst gefeiert: Vor den Angehörigen, Verwandten, Freunden und der Gemeinde bringt das Brautpaar seinen Willen zu einer dauerhaften Gemeinschaft zum Ausdruck und bittet um den Beistand Gottes, dass dieses Vorhaben gelinge. Er verheißt seinen Segen und gibt die Zusage, in guten und schlechten Tagen bei den Menschen zu sein. Im Vertrauen darauf geben Frau und Mann ihr gegenseitiges
Versprechen, zusammenbleiben zu wollen, in Liebe zueinander zu stehen und einander zu helfen.
Das Trauversprechen
Am Standesamt wird die Ehe rechtsgültig geschlossen. Das Besondere der kirchlichen Trauung liegt in der Verkündigung von Gottes Wort zur Ehe, der Bitte um Gottes Beistand und Begleitung und im Zuspruch seines Segens. Darauf zielen die Worte: »Ja, mit Gottes Hilfe«, mit denen die Partner auf die Traufrage antworten. Die Traufrage kann an beide Partner gemeinsam gerichtet werden oder auch nacheinander an jeden einzeln. Ebenso kann die Antwort gemeinsam oder einzeln gegeben werden.
(Namen), Gott hat Euch einander anvertraut. Wollt Ihr als Eheleute einander lieben und ehren und die Ehe nach Gottes Gebot und Verheißung führen, in guten und in bösen Tagen, bis der
Tod Euch scheidet, so antwortet: Ja, mit Gottes Hilfe.
(Weitere Formen siehe Evangelisches Gesangbuch, Seite 1411ff).

Sterben, Tod und Bestattung
Die eigene Endlichkeit annehmen
Mensch-Sein heißt Grenzen erfahren - Grenzen eigener Gesundheit, Lebenskraft und Lebenszeit. Krankheit, Sterben und Tod gehören zum Leben. Das sind Erfahrungen, die keinem erspart bleiben. Es hängt darum viel für unser Leben und sein Gelingen davon ab, ob und wie wir die Erfahrung von Vergänglichkeit und Tod in unser Leben einbeziehen und
bewältigen. Wir leben unser Leben bewusster und besser, wenn wir es so leben, wie es ist: befristet.
Auf Gottes Gegenwart vertrauen
Die Menschen der Bibel stellen sich den schmerzlichen und leidvollen Erfahrungen. Sie leben mit ihnen - nicht gegen sie. Ihr Lob und ihre Klage gelten darum Gott, dem Liebhaber des Lebens, dem Herrn über Leben und Tod. Sie rechnen mit seiner Gegenwart und Begleitung
auch im Sterben und Tod. Gott hat an unserem begrenzten Leben teilgenommen; er ist Mensch geworden. Jesus Christus hat sich Kranken und Sterbenden zugewandt. Er hat selbst einen qualvollen Tod erlitten: Dieser Jesus Christus ist von den Toten auferstanden. Seitdem haben Vergänglichkeit, Sterben und Tod nicht mehr das letzte Wort. Die Toten werden auferstehen. Die Botschaft Jesu von Gottes Liebe ist wahr - auch angesichts von Vergänglichkeit und Tod. 


Mit dem Tod umzugehen, ist die Schule des Glaubens (MARTIN LUTHER)

Was können Christen tun?
Es ist ganz verständlich, dass Menschen Angst vor dem Tod und vor der Begegnung mit Sterbenden haben. Für viele ist es schwer auszuhalten, einen Menschen verfallen zu sehen, die eigene Hilflosigkeit zu erleben und die Endgültigkeit des Todes anzunehmen. In einer solchen Situation kann dennoch viel getan werden:
Ein Zeichen der Nähe geben: Ein Mensch, der stirbt, soll spüren, dass jemand bei ihm ist. Das geschieht in einfachen Zeichen der Zuwendung, in freundlichen Worten und liebevollen Gesten.
Das Gespräch über den Ernst der Lage suchen: Sterbende haben oft eine Ahnung von ihrer Situation. Sie wollen nicht getäuscht werden. Um miteinander über die Wahrheit sprechen zu können, bedarf es eines längeren Weges. Es kommt darauf an, für ausgesprochene und unausgesprochene Signale des Sterbenden empfänglich zu sein.
Vertraute Gebete sprechen: Dazu gehören Psalmen (Psalm 23, siehe Nr. 740; Psalm 73, siehe Nr. 767, bekannte Liedstrophen (Befiehl du deine Wege, Nr. 361; So nimm denn meine Hände, Nr. 376; Wenn ich einmal soll scheiden, Nr. 85,9.10), das Vaterunser.
Miteinander Abendmahl feiern: Geben Schwerkranke und Sterbende den Wunsch nach dem Heiligen Abendmahl zu erkennen, soll eine Pfarrerin, ein Pfarrer benachrichtigt werden. Die Feier des Abendmahls am Sterbebett kann für alle Familienmitglieder eine gesegnete Stunde werden, in der sie Gemeinschaft untereinander erfahren, entlastet und getröstet werden.
Den Sterbesegen geben: Es segne dich Gott, der Vater, der dich nach seinem Ebenbild
geschaffen hat. Es segne dich Gott, der Sohn, der dich durch sein Leiden und Sterben erlöst hat. Es segne dich Gott, der Heilige Geist, der dich zum Leben gerufen und geheiligt hat. Gott der Vater und der Sohn und der Heilige Geist geleite dich durch das Dunkel des Todes. Er sei dir gnädig im Gericht und gebe dir Frieden und ewiges Leben. Amen.
Nach dem Sterben: Bei Sterben und Tod haben Schmerz, Klage, Weinen und Erschütterung ihr Recht. Wenn der Tod eingetreten ist, können sich auch Erleichterung
und ein Gefühl des Friedens einstellen.
Es ist Zeichen des endgültigen Abschiedes vorn Leben und Ausdruck des Respektes vor den Toten, wenn Angehörige oder Freunde ihnen die Hände über der Brust falten und ihnen die Augen schließen.


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Abendmahl
lm Abendmahl wird die Gemeinschaft Gottes mit uns und die Gemeinschaft unter uns anschaulich. So bekräftigt es, was in der Konfirmation geschieht: Gott kommt zu uns mit seinem Segen: wir nehmen entgegen, was er schenkt; wir werden hineingenommen in die Gemeinschaft der Gläubigen und empfangen Stärkung auf unserem Weg.

Beichte
In der Beichte wenden sich Christen mit dem, was sie belastet, an Gott: sie erkennen, dass sie im Widersprach zu Gott und in der Trennung von ihm leben. Sie bekennen, dass sie Gottes Gebote übertreten haben und schuldig geworden sind. Sie bitten um Vergebung ihrer Sünden. Sie empfangen Gottes Freispruch und erfahren darin Entlastung für ihr Gewissen.
Sünden bekennen
In den zehn Geboten hat Gott zusammenfassend gesagt, wie Menschen miteinander und mit ihm leben sollen. An den zehn Geboten können sich Christen bis heute orientieren, wenn sie nach dem Willen Gottes fragen und sich selbst prüfen, ob sie sich an Gottes Weisung halten.

Gebet und Meditation
Beten als Lebenshaltung: Gebet ist Leben aus Dankbarkeit. Dankbarkeit wächst aus dem Staunen über das, was ein Mensch hören und sehen, riechen und schmecken, fühlen und denken kann. Zu staunen vermag der Mensch, der offen ist für das, was das Leben alltäglich ausmacht - im Kleinen wie im Großen. Wenn es in der Bibel heißt "betet ohne Unterlass" (1.Thessalonicher 5,17), dann ist damit eine Lebenshaltung gemeint, in der ein Mensch
andächtig auf das achtet, was ihm widerfährt, es aufmerksam wahrnimmt, genießt oder auch erleidet. Das ganze Leben kann so zum Gebet werden, zu einem bewussten Erleben vor Gott. Das Staunen eines Kindes mit offenem Mund und seine gesammelte Versunkenheit beim Spiel
veranschaulichen eindringlich die Lebenshaltung des Betens. Im Gebet besinnt sich ein Mensch auf seine persönliche Beziehung zu Gott. Was jemand mit sich selbst erlebt und in der Welt erfährt, das verbindet sich in den Gedanken, Worten und Gesten, mit denen er
Gott anredet und anruft. Beten ist ein Gespräch mit Gott, in dem das ganze Leben Platz hat: mit all seiner Freude und Dankbarkeit, seinen Hoffnungen und Wünschen und mit seinem Leid. Im Gebet holt die Seele Atem, sie schöpft neue Kraft für den Umgang mit den eigenen Möglichkeiten und den Kampf mit den persönlichen Problemen.
Mit dem eigenen Innersten aus sich selbst herauszutreten und auf diese Weise Gott zu begegnen, wird möglich, wenn ein Mensch eigenständig betet. Das geschieht mit Worten altbekannter Gebete wie den Psalmen, dem Vaterunser oder Liedstrophen. Das Gespräch mit Gott kann auch ein Stoßgebet sein, das nur aus wenigen Worten besteht, oder eines, das ganz frei formuliert ist. 
Beten ist Fühlen, Denken und Reden. Beten kann man auch mit Farben und Klängen, mit Bildern und Musik. 
Gebet ist alles, was die Seele in Gottes Wort schafft: zu reden, zu dichten, zu betrachten und so fort*, hat Martin Luther gesagt.
Raum und Zeit für das Gebet sind im Gottesdienst. Daran gebunden ist es nicht. Jeder Zeitpunkt ist dafür geeignet, sich Gott mit Lob und Dank, mit Fragen, Bitten und Klagen anzuvertrauen. Fällt es einem schwer zu beten, fehlen einem die Worte oder der Glaube, dann hilft zum Beispiel das Vaterunser, einen neuen Zugang zu sich selbst und zu Gott zu finden. Im Vaterunser, das Jesus Christus seine Jüngerinnen und Jüngern gelehrt hat, haben wir Anteil an seinem Vertrauen auf Gott, den er »Abba«, »Vater« genannt hat.
In diesem Vertrauen dürfen und können wir uns zu jeder Zeit und an jedem Ort an Gott wenden. Die Praxis des Gebets ist weder an eine bestimmte Zeit noch an einen festgelegten Ort gebunden; sie ist unabhängig von Ort und Zeit.

Segen
Der Ursprung des Segens: Es ist eine alte, menschliche Erfahrung, dass von Menschen Segen und Fluch ausgehen können. Durch Berührung oder durch Worte wird Kraft auf andere übertragen. Um sich vor dem Fluch anderer zu bewahren, haben Menschen ihr Gesicht verändert oder ihren Namen nicht preisgegeben.
Nach dem Verständnis der Bibel trägt der Mensch seit seiner Erschaffung durch Gott Segenskraft in sich, die er weitergeben kann. Alttestamentliche Geschichten erzählen davon, wie der Segen von Generation zu Generation weitergegeben wird, wie zum Beispiel in der Geschichte von lsaak, Esau und Jakob.
Der Ursprung des Segens ist nach christlichem Verständnis der dreieinige Gott. Von ihm geht die Kraft aus, die im Segen einem anderen Menschen zugesprochen wird. Gott spricht zu Abraham: "lch will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden." Mit diesem Segen beginnt die besondere Geschichte Gottes mit dem Volk Israel. Aaron, der Bruder des Mose, wird beauftragt, das Volk zu segnen. Dieser Aaronitische Segen wird auch heute am Ende des Gottesdienstes gesprochen.
Wer darf segnen? Jede und jeder darf den Segen Gottes für andere erbitten und ihn zusprechen. Dabei segnen nicht wir Menschen, sondern Gott tut das durch uns. Menschen sprechen anderen den Segen zu in der Gewissheit, dass Gott zu seiner Verheißung steht. Seit Jesus Christus kann der Segen mit dem Kreuzeszeichen verbunden werden. Sich zu bekreuzigen hat Luther als einen guten Brauch verstanden. Wenn wir uns bekreuzigen, dann
zeigen wir, dass das Kreuz Christi für uns zum Segen geworden ist.